Donnerstag, 11. November 2010

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Ankommen


Wie wäre es, wenn der Lauf der Dinge der mich umgebenden Welt ein paar Augenblicke stehen bleiben oder zumindest langsamer laufen würde? Wenn ich, auf unaufdringliche Art und Weise, die Zeit hätte, das mich Umgebende zu beschauen? Wenn ich meine mich ständig begleitende Ich-Perspektive fallen lassen könnte? Ich denke, das wäre ein nachhaltiges Gefühl. Eine kleine Stärkung im täglichen Abnützungskampf, dem unerbittlichen, urbanen Postenlauf! Es wäre ein erhebendes Gefühl, dem eigenen Zeitraster ein Schnippchen geschlagen zu haben. Und dies in der Adventszeit, von der wir wissen, dass sie unerbittlich an unseren Zeitressourcen nagt. Aber wie komme ich dazu? Wo und wann findet sich die Zeit dazu? Bin ich willens, mich dem rauschenden Adventsstrom entgegen zustellen? Ja! Aber auch diese Inselchen müssen geplant werden, denke ich mir.
Ist es während dieser zeitlichen Trockenzeit zu schaffen, die Menschen aus ihrem engen Zeitraster, zumal unvorbereitet, herauszulocken? Eine nicht ganz einfache Aufgabe. Sie sind auf ihrem Weg Alles noch vor dem Fest zu erledigen und der Weg ist in diesem Moment nicht das Ziel. Sobald sie, in dieser speziellen Zeit, den öffentlichen Raum betreten, wird der Selbstschutzmechanismus stärker eingestellt, weil es keine Zeit zu verlieren gilt. Viele Menschen fühlen sich dann schon persönlich angegriffen, wenn man sie um eine einfache Auskunft bittet. Weitergehende oder gar persönliche Fragen oder der Versuch einer Kontaktaufnahme sind dann schon klar jenseits der Demarkationslinie zum Privaten. Ok, man wird im öffentlichen Raum ja auch ordentlich zugemüllt, gebe ich zu.
Wie muss ich es angehen, dass ich die Menschen dennoch für einen kleinen Moment, in eine andere Welt entführen kann? Nicht in eine, die sie nicht kennen. Nein! Es ist eine Welt, die sie ständig mit sich tragen. Sie ist aber nicht laut, dafür ist sie ständig da: die Sprachlosigkeit! Dieses Etwas, welches sich dem anderen nicht vermitteln lässt. Wie schaffe ich es in einer Umgebung, die selber schon so lärmig ist, diese Sprachlosigkeit verständlich zu machen, ohne das andere einfach zu übertönen?

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